Archiv für Juni, 2009

Dirty Projectors “ Bitte Orca „

27 Juni, 2009

 

Bitte Orca

Diese Platte muss hier einfach kurz besprochen werden. Die Dirty Projectors sind eine Combo aus New York, die mit wechselnden Musikern um das Bandmastermind David Longstreth fantastisch unangepasste Musik macht.

Das neue Album mit dem Namen „Bitte Orca“ – schon der Titel is ja wohl an sich der Brüller – ist von einer geradezu charmenten Unzugänglichkeit, die einen schon beim ersten Hören wie vom Blitz getroffen zurücklässt. Die Musik auf dieser Scheibe ist voller Brüche, hypernervös, hysterisch, kindlich bunt – mega anstrengend. Jeder einzelne der neun auf diesem Longplayer versammelten Songs steckt so voller Überraschungen und harmonisch-rhythmischen Wendungen, dass es eine Art hat…

Vor dem inneren Auge des Verfassers dieser Zeilen entstanden beim Hören dieses Werks sofort freie Assoziationen mit Bildern aus den Bereichen der naiven Kunst oder der Art Brut. Kunst also, die auf den ersten Blick  scheinbar zu durschauen ist, weil sie vordergründig zu sein scheint. Beim genaueren Betrachten (Hören), wird aber offenbar, wie doppeldeutig, hintergründig dieses Werk ist und sich Abgründe ins Unbewusste auftun…

Nach dem Anhören von „Bitte Orca“ – sofern man überhaupt einen Zugang zu dieser Platte bekommt und es aushalten kann, diese bis zum Schluss zu hören – ist man fast schon süchtig danach, den Player auf Replay zu stellen. Zurück in Ohr und Hirn bleiben der zuckersüße gedoppelte Harmoniegesang elfenhafter Sopranstimmen, der von vielschichtigen polyrhythmischen Gitarrenläufen und ein paar elektronischen Soundschnipseln geradezu dekonstruiert wird. Kein Song auf dieser Platte ist berechenbar, die skurrilsten Ideen und Wendungen innerhalb der Lieder lassen den Hörer hin und wieder hell auflachen…. 

CD Rock Pop / 80.2415 in der Musikabteilung der Zentralbibliothek

Graham Coxon „The Spinning Top „

27 Juni, 2009

 

The Spinning Top

Das neue Album des ehemaligen Blur-Gitarristen Graham Coxon ist es allemal wert, über dieses BLOG angepriesen zu werden. Die letzten beiden Coxon-Werke waren ja eher vom Punk beeinflusste Scheiben. Es macht(e) Spaß zu hören, wie Mr. Coxon mit seinem großartigen Talent luftige Songs zu ersinnen, diese im rauen Sujet des Punk ansiedelt(e).

Aber auf diesen Silberlingen der Jahre 2004 & 2007 war schon zu hören, mit welch traumwandlerischer Sicherheit er sich auch ruhige fast balladesque anmutende Songs quasi aus dem Ärmel zu schütteln wusste. Ganz zu schweigen von den unsterblichen Songs, die er in seiner Zeit als Blur Sideman komponierte.

Auf  „The Spinning Top“ herrscht Akustiksound vor. Coxon hat mit diesem Album seine Songs in ein manchmal sogar folkartig anmutendes Korsett gezwängt, die den Songs sehr gut tun. Irgendwie hatten Verehrer seiner Musik es ja schon geahnt: auch viele frühere Lieder besitzen eine luftige Leichtigkeit, die selbst mit ihrer Punkattitüde  den einen oder anderen zum munteren Mitpfeifen beim Fensterputzen oder ähnlich lapidaren Alltagsverrichtungen animiert haben dürften. Songs wie „In the Morning“ oder „Perfect Love“ vom neuen Album sind in diesem Sinn prachtvolle Edelsteine im Songcollier aus dem Hause Coxon!!!

CD in der Zentralbibliothek unter CD Rock Pop / 80.2944